1. Zukunftskongress
1.Zukunftskongress öffentliche Apotheke feiert erfolgreich Premiere

Am 07.02.2009 fand in der Stadthalle Wuppertal der „1. Zukunftskongress öffentliche Apotheke“ statt. Über 300 Gäste nahmen am Kongress teil. Sie nutzen die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen und Zukunftschancen im Apothekenmarkt zu informieren. Gleichzeitig nutzten die Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit für einen intensiven fachlichen Austausch. Insgesamt stellte der Kongress auch einen wichtigen Beitrag dar, die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Apotheke gegenüber Politik und Öffentlichkeit deutlich zu machen. Die erfolgreiche Premiere der Kongressveranstaltung hat den Apothekerverband Nordrhein e.V. darin bestärkt, auch in 2010 einen „Zukunftskongress öffentliche Apotheke“ zu veranstalten. Über Zeitpunkt, Veranstaltungsort und Inhalte werden wir die Mitglieder rechtzeitig informieren.
In seiner Begrüßung ging Thomas Preis zunächst auf die Zielsetzung der Veranstaltung ein, bei der u.a. die Themen „Arzneimittelversorgung und demografischer Wandel“, die wirtschaftliche Situation der öffentlichen Apotheken heute und in Zukunft, Rabattverträge, Neues im Arzneimittelmarkt und das Apothekenlabor im Mittelpunkt standen:
„Wir, die Apothekerinnen und Apotheker aus Nordrhein wollen mit unserem 1. Zukunfts-kongress öffentliche Apotheke aktiv in die Zukunft blicken. Wir wollen uns heute hochkarätig, sachbezogen und unabhängig von Interessen Dritter informieren und diskutieren. Gleichzeitig aber auch Gefahren erkennen, Chancen ausloten und uns Rüstzeug schaffen, um die Herausforderungen der Zukunft aktiv mitzugestalten. Hochkarätige Referenten werden uns dabei unterstützen“, so Thomas Preis.

EuGH-Generalanwalt will starke und unabhängige Apotheken
In seiner Rede ging Preis auch konkret auf das anstehende EuGH-Urteil zum Fremdbesitzverbot ein. Dabei verwies er zunächst auf die Ausführungen des Generalanwaltes Yves Bot und zitierte aus der offiziellen Pressemitteilung zu den Schlussanträgen des Generalanwaltes des Europäischen Gerichtshofes vom 16.12.2008:
„Die Qualität der Arzneimittelabgabe steht in engem Zusammenhang mit der Unabhängigkeit, die ein Apotheker bei der Erfüllung seiner Aufgabe wahren muss.“
Auch wenn man wisse, betonte Preis, dass der Schlussantrag des Generalanwalts kein endgültiger Urteilsspruch sei, mache der Generalanwalt in diesem Satz und darüber hinaus in seiner gesamten Stellungnahme deutlich, dass er starke und ganz besonders unabhängige Apotheker wolle. Somit habe er das gesagt, was auch die Überzeugung der Apothekerschaft sei: „Nur unabhängige Heilberufler können bei der Abgabe von Medikamenten objektiv und nach bestem Wissen patientenindividuell beraten und damit ihrer heilberuflichen Verantwortung gerecht werden.“
Gleichzeitig sei der Schlussantrag des EuGH-Generalanwalts aber nicht nur für Apotheker ein positives Signal, so Preis weiter. „Es ist auch ein Plädoyer für die freien Berufe insgesamt. Freiberufler und freie Heilberufler insbesondere erbringen auf Grund besonderer beruflicher Qualifikation eine am Gemeinwohl orientierte, persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Leistung.“
Versandhandel und Pickup-Stellen: Politik ist gefordert
Nicht unkommentiert ließ Preis auch die politisch immer noch ungelösten Probleme beim Versandhandel mit Arzneimitteln und den daraus resultierenden Auswüchsen in Form von Pickup-Stellen in Drogeriemärkten: Es sei für einen akademischen Beruf nicht länger hinnehmbar in den Medien als wettbewerbsfeindlicher unmoderner Spielverderber einer neuen Arzneimittelkonsumkultur entgegenzustehen - mit gleicher Selbstverständlichkeit die vollversorgenden Apotheken für die Akutversorgung und im Nacht- und Notdienst zu nutzen.
„Hier ist die Politik gefordert, die Gewichte dahin zu verschieben, wo sie hingehören: in die Vollversorgung durch die öffentlichen Apotheken. Es kann nicht sein, dass wir mit unseren öffentlichen Apotheken als nützlicher Lückenbüßer herhalten müssen und fachfremde als Rosinenpicker unseren Versorgungsauftrag systematisch behindern. So nicht, rufen wir hier der Poltik zu. Dort werden wir nicht locker lassen“, so Preis.
Bundesregierung setzt auf unabhängige Apotheke vor Ort
In seinem Grußwort hat Peter Hintze, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, als Vertreter der Bundesregierung erneut keinen Zweifel daran gelassen, dass die Bundesregierung konsequent hinter dem System der mittelständischen Arzneimittelversorgung durch die unabhängigen, inhabergeführten und wohnortnahen öffentlichen Apotheken steht. Im Zuge dessen machte er unmissverständlich deutlich:„Stabilität in der Gesundheitsversorgung - da ziehen Bundesregierung und Apothekerschaft an einem Strang.“ Diese Einschätzung habe, wie er betonte, insbesondere als Lehre aus der bestehenden Finanz- und Wirtschaftskrise nochmal an Bedeutung gewonnen. Insbesondere auch im Hinblick darauf, dass die Freien Berufen, und hier beispielhaft der freie Heilberuf des Apothekers, für Stabilität und Sicherheit sorgt.

Demografischer Wandel und Herausforderungen in der Arzneimittelversorgung
In ihrem Keynote-Vortrag stellte Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, das vieldiskutierte und komplexe Thema „Arzneimittelversorgung und demografischer Wandel“ aufschlussreich und mit einem hohem Erkenntnisgewinn für die Zuhörer dar. Dabei hob sie vier Herausforderungen hervor, die im Hinblick auf eine immer älter werdende Bevölkerung, künftig einen noch höheren Stellenwert einnehmen werden: Multimorbidität, Versorgungsmängel, Selbstmedikation und Patientensicherheit. Als zentrales Zukunftsthema bezeichnete Prof. Kuhlmey „Gesundheit im Alter“. Hier bestehe die Herausforderung vor allem darin, Lebensqualität zu erhalten.

Podiumsdiskussion zum Thema „Rabattverträge: effizienter Kostendämpfer oder notwendiges Übel?
Dr. Klaus Enderer, stv. Vorsitzender der KVNO, machte deutlich, wie wichtig die heilberufliche Kooperation zwischen Arzt und Apotheker bei der Umsetzung der Rabattverträge ist: „Der Arzt stellt die Diagnose, ist für Indikation und Therapie verantwortlich, bestimmt Menge und Dosierung. Den Rest soll der Apotheker übernehmen.“ Dies sei auch die gängige Praxis. Dort, wo das noch nicht der Fall sei, müssten Apotheker in Kooperation mit den Ärzten vor Ort darauf hinarbeiten.
Besonders Ältere Patienten sind verunsichert
Eleonore Köth-Feige (Landesseniorenvertretung NRW) wies als Patientenvertreterin darauf hin, dass sich die Beschwerden der Mitglieder häufen würden. Immer mehr ältere Menschen seien verunsichert und könnten nicht nachvollziehen, warum bei den Rabattverträgen einzig und allein der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund stehe und die Patienteninteressen im Hinblick auf gesundheitliche Gefahren völlig ausgeblendet würden.
Kassenvertreter mit Umsetzungsquote zufrieden
Die Kassenvertreter zeigten sich zufrieden mit der Umsetzungsquote der Rabattverträge, die sich aktuell auf 75 Prozent belaufen würde. Cornelia Prüfer-Storcks betonte, dass es eine Erfüllungsquote von 100 Prozent nicht geben könne. Die AOK-Vertreterin lobte wie auch Dr. Vöcking (Barmer) das Engagement der Apotheker bei der Umsetzung der Rabattverträge. Retaxationen gegenüber Apothekern wurden von beiden ausgeschlossen. Retaxationen sollen nur bei wiederholten, nachhaltigen Verstößen in begründeten Einzelfällen erfolgen.
Einsparungen weiterhin unbekannt
Trotz mehrfacher Versuche der Moderatorin, Frau Dr. Höning (Rheinische Post), und Fragestellern aus dem Publikum, die anwesenden Krankenkassenvertreter zur Bekanntgabe der bisher erzielten Einsparsumme bei den Rabattverträgen zu bewegen, verwiesen beide auf das Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Dort würden die Zahlen vorliegen. Zudem dürfe man dazu keine Auskunft geben, weil dies wettbewerbsrechtliche Interesse der Hersteller verletze.
Zusatzleistung und -Aufwand muss endlich honoriert werden
Mit Blick auf das Engagement der Apotheker bei der Umsetzung der Rabattverträge machte
Thomas Preis erneut deutlich, dass die Apothekerinnen und Apotheker hier eine zusätzliche Leistung erbracht hätten und erbringen, die endlich auch honoriert werden müsste. „Es darf in Anbetracht des zusätzlichen Aufwands in der Apotheke überhaupt keinen Zweifel darüber geben, dass der Kassenrabatt, den die Apotheker entrichten müssen und der aktuell verhandelt wird, deutlich gesenkt wird“, stellte Thomas Preis unmissverständlich klar.

Neues im Arzneimittelmarkt
Prof. Dr. Hartmut Morck (Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung) stellte neue Entwicklungen im Arzneimittelmarkt dar. Im Zuge dessen erläuterte er u.a., warum neue Therapeutika insbesondere für die Behandlung für chronische Erkrankungen auf den Markt kämen. Als Grund führte er die Einteilung in Innovationsgruppen an, die seit 2005 die Zulassungspolitik der Hersteller beeinflussen würden. Demnach wird unterschieden in Sprung-, Schritt- und Scheininnovationen. Der Schwerpunkt der Forschung werde auch künftig, so Morck, auf Substanzen gegen Krebs und HIV liegen.

Wirtschaftliche Entwicklung: Zukunft unternehmerisch angehen
In seinem Vortrag „Die wirtschaftliche Entwicklung der öffentlichen Apotheke – Bilanz, Perspektiven, Ausblick“ beleuchtete Dr. Frank Diener, Generalbevollmächtigter der Treuhand Hannover Steuerberatungsgesellschaft, die aktuelle und künftig zu erwartende wirtschaftliche Situation der öffentlichen Apotheke. Im RX-Bereich sei, so Dr. Diener, davon auszugehen, dass die Einkaufskonditionen brutto stabil bleiben, aber netto könnten Gebührenpauschalen, ein größerer Anteil an Kontingent-Artikeln und Rabattausschlüsse sich negativ auswirken. Auch im OTC-Bereich geht er von einem weiteren Umsatzrückgang aus, den er auf etwa zwei bis drei Prozent bezifferte. Darüber hinaus müsse man aufgrund von Tariferhöhung und einen zunehmenden Lohndrift durch Personalknappheit von einem Anstieg der Personalkosten ausgehen. Für 2009 stellte Dr. Diener dennoch eine Verbesserung des Betriebsergebnisses einer durchschnittlichen Apotheke in Aussicht. 2010 sei allerdings eine Verschlechterung sehr wahrscheinlich. Auch vor diesem Hintergrund forderte er die anwesenden ApothekenleiterInnen auf, die Zukunft aktiv unternehmerisch anzugehen und sich u.a. mit folgender Fragestellung dezidiert auseinanderzusetzen: Haben Sie schon begonnen, Ihren betrieblichen Wertschöpfungsprozess konsequent aus der Sicht Ihrer wertvollen Zielkunden zu denken?

Apothekenlabor: Ausgangsstoffe wie Fertigarzneimittel behandeln?
In seinem Vortrag spannte Dr. Holger Goetzendorff, Amtsapotheker für Wuppertal und Remscheid, zunächst den Bogen zum Veranstaltungsort Wuppertal. Unter dem Motto „Elberfeld - die Apotheke der Welt“ und erläuterte, warum Elberfeld (und damit Wuppertal) pharmaziehistorisch nicht unbedeutend ist. Im Hinblick auf die Bedeutung des Apothekenlabors wies Dr. Goetzendorff gemäß der Maßgabe „Das Apothekenlabor – von der Kür zur Pflicht“ daraufhin, dass Labore heutzutage hauptsächlich für Identitätsprüfungen von Ausgangsstoffen für die Rezeptur genutzt würden. Vor diesem Hintergrund rechnete er vor, dass pro Jahr 80 Stoffe in den Apotheken geprüft werden. Somit finden in den 21.500 deutschen Apotheken insgesamt 1,7 Milliarden Prüfungen im Jahr statt. Gerade deshalb würde es sich anbieten, Ausgangsstoffe wie Fertigarzneimittel zu behandeln und Identitätsprüfungen nur noch stichprobenartig durchzuführen. Dabei muss es aber gewährleistet sein, dass Lieferung der Ausgangsstoffe nur durch autorisierte Hersteller erfolgt.

Apotheker feiern Paralympics-Sieger Jochen Wollmert:
Engagement für Behindertensport wird verstärkt
Auf dem „1. Zukunftskongresses öffentliche Apotheke“ wurde auch der zweifache Paralympics-Goldmedaillengewinner von Sydney (2000) und Peking (2008) Jochen Wollmert gefeiert. Der gebürtige Wuppertaler wurde erst im Dezember zum Behindertensportler des Jahres 2008 in Nordrhein-Westfalen gewählt.
Im Zuge der Ehrung von Jochen Wollmert teilte Thomas Preis mit, dass die Deutsche Apotheker-schaft ihr Engagement für den Deutschen Behindertensport verstärken wird und ab sofort nationaler Förderer des Deutschen Behindertensportverbandes ist.
„Wir werden diese neue verantwortungsvolle Aufgabe als nationaler Förderer des Deutschen Behindertensportverbandes zum Anlass nehmen, um in Nordrhein-Westfalen die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Behindertensport NRW zu intensivieren und konkrete Maßnahmen zur Unterstützung des Behindertensportes auf Landesebene gemeinsam angehen“, so Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerbandes Nordrhein e.V.

Fazit: Interesse an Zukunftsthemen ist groß
In seinem Fazit machte der stellvertretende Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein e.V. am Ende der Veranstaltung in aller Kürze deutlich, dass jeder Teilnehmer des Zukunftskongresses genügend Rüstzeug mitbekommen habe. Dies müsse nun jeder für sich mit Blick auf die eigene Apotheke vor Ort anwenden. Werner Heuking hob abschließend noch mal die hohe Teilnehmerzahl hervor, die er auf das große Interesse an Zukunftsthemen zurückführte. In Anbetracht dessen sagte er zu, dass sich der Verband auch weiterhin mit Themen, Konzepten und Maßnahmen auseinander setzen würde, die vor allem einen Zweck erfüllen: die inhabergeführte Apotheke vor Ort weiter zu stärken.
Zahlreiche Unternehmen informierten vor Ort
Ein wichtiger Baustein im Veranstaltungskonzept des Zukunftskongresses war die Partnerausstellung, an der sich die folgenden 10 Unternehmen aktiv beteiligt haben:
Apoquick, ARZ Haan AG, Govi-Verlag, Lauer-Fischer, Otto Geilenkirchen, Noweda, Treuhand Hannover, Von der Linde, WEPA Apothekenbedarf und Wort & Bild Verlag.
Sie nutzen vor Ort die Gelegenheit, um die Apothekerinnen und Apothekern nicht nur über aktuelle Produkte und Entwicklungen zu informieren, sondern auch direkt das Gespräch zu suchen. An den Info-Ständen vor Ort wurden viele interessante Gespräche geführt. Einige Unternehmen signalisierten bereits vor Ort, dass man, sobald der Termin für den nächsten Zukunftskongress öffentliche Apotheke in 2010 feststehe, nicht lange zögern würde und gerne wieder aktiv dabei wäre.
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06.06.12 14:30
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In der Praxis gibt es fast täglich Fragen zur Genehmigung, zur Abgabe und zur...



