Rückblick 2011

400 Teilnehmer beim "3. Zukunftskongress öffentliche Apotheke" am 05.02.2011 in Bonn

Landesgesundheitsministerin Steffens lehnt Arzneimittel-Distribution über
Versandhandel im Internet und Pickup-Stellen strikt ab

Am Samstag, den 05.02.2011, hat der „3. Zukunftskongress öffentliche Apotheke“ stattgefunden. Die positive Resonanz konnte mit über 400 Teilnehmern im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich gesteigert werden. Mit Unterstützung hochkarätiger Referenten wurde die aktuelle gesundheits- politische Lage kritisch hinterfragt, Marktentwicklungen analysiert und Zukunftschancen der öffentlichen Apotheke aufgezeigt.

In seiner Begrüßung und in der gesundheitspolitischen Podiumsdiskussion richtete der Vorsitzende des Apothekerver- bandes Nordrhein e.V., Thomas Preis, einen deutlichen Appell an die Politik. Dabei forderte er u.a.:

  • Konstruktionsfehler beim AMNOG hinsichtlich des Sparbeitrags des Großhandels, der offensichtlich an die Apotheken abgewälzt wird, zu beseitigen.
  • Bei den Packungsgrößen muss wieder Abgabesicherheit im Sinne von Patienten, Ärzten und Apothekern hergestellt werden.
  • Bei der Mehrkostenregelung muss klargestellt werden, dass der Patient alternativ zu den kassen- bestimmten Einheitsmedikamenten tatsächlich sein Wunscharzneimittel frei wählen kann.
  • Entlastung der Apotheker von der zunehmenden Bürokratisierung.
  • Den Auswüchsen des Versandhandels muss ein Ende gesetzt und das Betreiben von Pickup-Stellen wie politisch zugesagt untersagt werden.

Preis machte zudem deutlich, dass der freie, unabhängige Heilberuf Apotheker gestärkt werden müsse. Was der Gesundheit der Menschen in unserem Land persönlich zu Gute komme und somit dem Gemeinwohl diene, dürfe nicht weiter geschwächt oder gar konzerngeleiteten Lobbyinteressen geopfert werden. „Nur dann gelingt es, die künftigen Herausforderungen in der Arzneimittelversorgung erfolgreich anzugehen. Hier ist verantwortliche und vor allen Dingen verlässliche Gesundheitspolitik gefragt! Nicht mehr erwarten wir, auch im Interesse der vier Millionen Menschen, die tagtäglich in den Apotheken in Deutschland persönlich versorgt und betreut werden“, so Preis.

Für die Versorgung unverzichtbar: Wohnortnahe Apotheke mit heilberuflicher Ausrichtung

Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Die Grünen) unterstrich die unverzichtbare Rolle heilberuflich orientierter öffent- licher Apotheken in der wohnortnahen Arzneimittelversorgung. In diesem Zusammenhang lehnte sie Distributionswege wie Ver- sandhandel, Pick-up-Stellen und Kettenapotheken strikt ab. „Betreiber von Kettenapotheken suchen sich wirtschaftliche Stand- orte aus und hinterlassen unwirtschaftliche Standorte als Ruinen. Das gefährdet die flächendeckende Arzneimittelversorgung“, betonte die Ministerin. Steffens sprach sich auch für ein stärkeres Engagement der Apothekerinnen und Apotheker in der Prävention aus. Sie sollten beispielhaft Diabetiker und Asthmatiker schulen und ihre Kenntnisse zum Arzneimittel und zur gesunden Lebensführung in Kindergärten, Schulen und Senioreneinrichtung einbringen.

Plädoyer gegen fortschreitende Ökonomisierung des Gesundheitswesens

In einem viel beachteten Vortrag warnte Prof. Dr. Heribert Prantl (Mitglied der Chefredaktion, Süddeutsche Zeitung) eindrucksvoll vor den Folgen einer fortschreitenden Ökonomisierung des Gesund- heitswesens. Im Zuge dessen mahnte er auch an, dass Apotheken nicht der verlängerte Arm der Bürokratie der Krankenkassen sein dürften. Ebenso wenig dürften die Apotheken der Machtstruktur des Pharmagroßhandels hilflos ausgeliefert werden. „Beratung, Hilfe und Reden kann so wichtig sein wie das Medikament selbst“, so ein Fazit von Prantl, der ganz besonders die wichtige Rolle des Apothekers als persönlicher Begleiter, Berater und Vertrauensperson der Patienten hervorhob.

Gesundheitspolitik auf dem Prüfstand

In der von WDR-Journalist Ralph Erdenberger moderierten gesundheitspolitischen Podiumsdiskussion stand vor allem die aktuelle gesundheitspolitische Situation der öffentlichen Apothe- ken im Mittelpunkt. Die durch das neue Gesetz (AMNOG) hervor- gerufenen negativen Folgen für die öffentlichen Apotheken wie die enorme wirtschaftliche Belastung, das Packungsgrößenchaos und die Mehrkostenregelung wurden kritisch und kontrovers diskutiert. Trotz parteipolitischer Dissonanz im Detail, herrschte bei den Diskussionsteilnehmern von CDU (Jens Spahn, MdB), Grünen (Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens) und SPD (Bärbel Bas, MdB) Einigkeit darüber, dass der Apotheker als Heilberufler auch in der künftigen Versorgungsstruktur des Gesundheitswesens eine wichtige und zentrale Rolle einnehmen wird.

Arzneimittelupdate 2011: Arzneimittel-Innovationen wurden praxisnah und anschaulich vorgestellt

Im Rahmen eines Arzneimittelupdates 2011 stellte Prof. Dr. Schubert-Zsilavecz neue Arzneiformen unter besonderer Berück- sichtigung von Lifestyle-Medikamenten praxisnah und anschaulich vor.
Die pharmazeutische, auf das jeweilige Krankheitsbild bezogene Bedeutung und Dimension wichtiger Arzneimittel-Neuentwicklungen wurde anspruchsvoll und gleichzeitig rhetorisch eingängig vermittelt. Als unabhängiger Arzneimittelexperte stellte er auch noch einmal den hohen Stellenwert des Arzneimittels als Gut der besonderen Art heraus. Er betonte, dass die Arzneimittelabgabe nur in die Hände von Pharmazeuten gehöre und keine x-beliebige Waren seien, die über das Internet oder gar Pickup-Stellen vertrieben werden sollten.

Thema mit wachsender Bedeutung: Pharmazeutische Herausforderungen in einer älter werdenden Gesellschaft

Dr. Wolfgang Kircher machte in seinem Vortrag "Therapietreue und Anwendungsprobleme von Arzneimitteln: pharmazeutische Herausforderungen in einer älter werdenden Gesellschaft" auf anschauliche und praxisnahe Weise deutlich, wie wichtig die richtige Anwendung von Arznei- und Hilfsmittel für eine erfolgreiche Pharmakotherapie sind. Anhand praktischer Beispiele und über- raschenden Ergebnissen von Anwendungsstudien zeigte er auf, wo und wie der Apotheker konkret mit individuellen Hilfestellungen seinen insbesondere älteren Patienten in der richtigen Anwen- dung von Arznei- und Hilfsmitteln noch bedarfsgerechter und gezielter unterstützen kann.

Betriebswirtschaftliche Handlungsoptionen im Zeichen des AMNOG

Dr. Frank Diener (Mitglied der Geschäftsführung, Treuhand Hannover) analysierte die aktuelle wirtschaftliche Situation der öffentlichen Apotheken und präsentierte betriebswirtschaftliche Handlungsoptionen im Zeichen des AMNOG. Dabei betonte er, wie wichtig es gerade jetzt sei, eine Wirkungsanalyse in der eigenen Apotheke vorzunehmen, um den konkreten betriebswirt- schaftlichen Handlungsbedarf identifizieren zu können.

Zukunftskongress hat sich als Dialog-Plattform im Gesundheitswesen etabliert

Der stellvertretene Vorsitzende Werner Heuking zog am Ende ein äußerst positives Fazit, das er nicht nur an der gestiegenen Teilnehmerresonanz festmachte. Vielmehr sei es gelungen, mit dem Zukunftskongress eine Dialog-Plattform im Gesundheits- wesen zu schaffen und zu etablieren, die insbesondere den Mitgliedern des Verbandes einen konkreten Mehrwert biete. So würden mit Unterstützung hochkarätiger Referenten die aktuelle Situation der öffentlichen Apotheken analysiert und auch konkrete Zukunftschancen aufgezeigt. Sein abschließender Dank richtete sich auch an die über 20 Unternehmen aus Apotheken- und Pharmamarkt, die den Kongress mit interessanten Informationsangeboten im Rahmen der angeschlossenen Partnerausstellung zusätzlich aufgewertet haben.

Die Vorträge der Referenten haben wir exklusiv im Mitgliederbereich unserer Internetseite hinterlegt. [Mitglieder-Login]

06.06.12 14:30

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