Im Rahmen des „4. Zukunftskongresses öffentliche Apotheke“ am 04.02.2012 in Bonn hat Landesgesundheitsministerin Steffens als Schirmherrin gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Apothekerverbandes Nordrhein e.V., Thomas Preis, drei ApothekerInnen aus Nordrhein mit dem „Zukunftspreis öffentliche Apotheke“ ausgezeichnet.
Die Gewinner des Zukunftspreises sind Dr. Ruth Britz-Kirstgen für ihre Initiative „Optimierung von Medikationsprozessen in Seniorenheimen“ (1. Preis), Jochen Pfeifer für die Initiative „Consulting Pharmacist – Neudefinition der pharmazeutischen Betreuung von multimorbiden Patienten“ (2. Preis) und Dr. Metin Bagli für die Initiative „Sprachbarrieren überwinden – Arzneimittelhinweise in türkischer Sprache“ (3. Preis).
v.l.n.r.: Thomas Preis (Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein), Jochen Pfeifer, Dr. Ruth Britz-Kirstgen, Dr. Metin Bagli, Ministerin Barbara Steffens.
1. Preis: Apothekerin Dr. Ruth Britz-Kirstgen aus Blankenheim

Lesen Sie hier die Laudatio des Jury-Mitglieds Peter Ditzel (Chefredakteur der Deutschen Apotheker Zeitung):
"Sehr geehrte Damen und Herren,
mit ihrer Initiative setzt Apothekerin Frau Dr. Ruth Britz-Kirstgen neue Maßstäbe in der Vor-Ort-Versorgung mit Arzneimitteln von Patienten in Senioreneinrichtungen. Durch ihr konsequent patientenorientiertes Engagement verbessert sie nachhaltig die Betreuung und Versorgung der Seniorinnen und Senioren. Sie leistet einen erheblichen Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) und tritt dabei auch der Verschwendung von Ressourcen aktiv entgegen. Die Medikation der Patienten wird auf den galenischen, pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Aspekt hin überprüft. Im persönlichen Gespräch mit den Patienten werden Fragen zu Applikationsproblemen, Neben- und Wechselwirkungen sowie Ernährung individuell geklärt. Bei der intensiven Betreuung der oft multimorbiden Patientinnen und Patienten bringt Frau Dr. Britz-Kirstgen auch ihre fachlichen Kompetenzen als weitergebildete Apothekerin auf den Gebieten der geriatrischen Pharmazie sowie ,Wundmanagement' mit ein.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ihrer Initiative ist auch das effektive Zusammenwirken aller betreuenden Fachkräfte. Ihr Anspruch klingt simpel und ist heute vielerorts in der Betreuung von älteren Menschen in Seniorenheimen leider immer noch nicht verwirklicht: Die ausgeprägte heilberufliche Kooperation zwischen Ärzten, Apothekern und dem Pflegepersonal. Nur wenn alle betreuenden Fachkräfte alles wissen - so die Überzeugung von Frau Dr. Britz-Kirstgen -, kann den Patienten am besten geholfen werden. Der fachübergreifende Wissens-austausch schafft hier auch die Voraussetzungen, dass Pflegekräfte nicht nur entlastet, sondern auch für eine sichere Arzneimitteltherapie sensibilisiert werden.
Die Jury hat sich für Apothekerin Frau Dr. Britz-Kirstgen als Preisträgerin entschieden, weil ihr Beitrag insbesondere im Hinblick auf die enormen, demografischen Herausforderungen in der Betreuung und Versorgung von Patienten in Senioreneinrichtungen beispielgebend und zukunftsweisend ist.
Sehr geehrte Frau Dr. Britz-Kirstgen, im Namen der Jury gratuliere ich Ihnen herzlich zur Verleihung des Zukunftspreises öffentliche Apotheke."
(Es gilt das gesprochene Wort)
2. Preis: Apotheker Jochen Pfeifer aus Velbert

Lesen Sie hier die Laudatio des Jury-Mitglieds Prof. Dr. Kloft (Leiterin der Abteilung Klinische Pharmazie & Biochemie an der Freien Universität Berlin):
Sehr geehrte Frau Ministerin, sehr geehrter Herr Kollege Preis, meine sehr geehrten Damen und Herren,
bereits der Titel der Bewerbung „Consulting Pharmacist – Neudefinition der PB“
lässt erahnen, dass Apotheker Jochen Pfeifer sich auch durch Erkenntnisse aus dem Ausland hat inspirieren lassen. Und zwar bei wechselseitigen Besuchen mit der Univ. von Minnesota, USA. (Er lädt – und das freut mich auch als Hochschullehrerin besonders- auch Studierende zum wechelseitigen Erfahrungsaustausch mit unserem Nahwuchs ein.)
Mit „Consulting Pharmacist – Neudefinition der PB“ verfolgt er das Ziel, die heilberufliche Ausrichtung des Apothekerberufes zu stärken und insbesondere die Betreuung multimorbider Patienten zu verbessern.
Welches Bild/welche Rolle des Apothekers prägt dabei sein Ansatz?
Im Mittelpunkt steht dabei die selbst-bewusste Rolle des Apothekers als Medikationsmanager, der viel stärker als bisher als heilberuflicher Partner des Arztes zum Wohle des Patienten agiert. Er übernimmt aktiv Mitverantwortung für die Arzneimitteltherapie des Patienten, indem er v.a. die Compliance (also Einnahmetreue) des Patienten verbessern hilft. Wenn man berücksichtigt, dass fast 7 Mio. Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) 5 oder mehr Arzneimittel in der Dauertherapie einnehmen und bei diesen Langzeittherapien die Einnahmetreue bei lediglich 50 % liegt, muss man feststellen: Diese Initiative hat Zukunft und zukunftsweisenden Modellcharakter!
Die Jury hat das umfassende Konzept von Apotheker Pfeifer auch deshalb überzeugt, weil es nicht nur die Arzneimitteltherapie und Lebensqualität für den Patienten verbessern hilft, sondern auch sinnvolle Einsparpotenziale für die Kostenträger Krankenkassen zu erzielen vermag.
Sehr geehrter Herr Kollege Pfeifer, im Namen der Jury gratuliere ich Ihnen sehr herzlich zur Verleihung des „Zukunftspreises öffentliche Apotheke“.
3. Preis: Apotheker Dr. Metin Bagli aus Köln

Lesen Sie hier die Laudatio des Jury-Mitglieds Dr. Willibert Strunz (Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW e.V.):
"Sehr geehrte Damen und Herren,
der Kölner Apotheker Dr. Metin Bagli hat eine Initiative gestartet, die Sprachbarrieren im Gesundheitswesen überwindet und insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund zu Gute kommt. Ganz konkret trägt dieses Projekt in beispielgebender Form dazu bei, dass türkische Mitbürgerinnen und Mitbürger in ihrer eigenen Muttersprache Anwendungshinweise für die Einnahme ihrer Arzneimittel erklärt bekommen.
Dadurch kann die in punkto Arzneimittelsicherheit so wichtige Einnahmetreue von Arzneimitteln gerade auch bei Menschen mit Migrationshintergrund nachhaltig gestärkt werden. Die persönliche Beratung des Apothekers wird durch die Arzneimittelhinweise in der Muttersprache nicht ersetzt, sondern patientenindividuell ergänzt. Das Vertrauensverhältnis Apotheker-Patient wird ebenfalls gestärkt.
Die Jury hat die Initiative von Dr. Metin Bagli mit dem Zukunftspreis öffentliche Apotheke ausgezeichnet, weil sie als patientenindividuelle und industrieunabhängige Lösung einen zukunftsweisenden Modellcharakter hat für die beispielgebende Arzneimittelinformation von Menschen mit Migrationshintergrund.
Sehr geehrter Herr Dr. Bagli, im Namen der Jury gratuliere ich Ihnen herzlich zur Verleihung des Zukunftspreises öffentliche Apotheke."
Die Preisträger wurden durch folgende Jury ermittelt: Peter Ditzel (Chefredakteur der Deutschen Apotheker Zeitung), Prof. Dr. Wolfgang Goetzke (Direktor Institut für Gesundheitswirtschaft, Köln), Prof. Dr. Charlotte Kloft (Mitglied der Chefredaktion Pharmazeutische Zeitung), Jutta Petersen-Lehmann (Chefredakteurin Neue Apotheken Illustrierte) sowie Dr. Willibert Strunz (Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Nordrhein-Westfalen).